Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (1933–1945)

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (1933–1945)

Portrait

Berlin, Mai-Feier, Hindenburg und Hitler (1 mai 1933)
Bundesarchiv | CC|BY-SA|3.0

Berlin, Mai-Feier, Hindenburg und Hitler (1 mai 1933)

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler: Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus, der eine Variante des Faschismus war. Hindenburg löste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 schränkte eine Notverordnung von Reichspräsident Hindenburg die Grundrechte ein. Die KPD wurde verboten und viele ihre Mitglieder verhaftet. Das so genannte Ermächtigungsgesetz gab der Regierung dazu uneingeschränkte Gesetzgebungsbefugnisse. Danach wurden innerhalb kurzer Zeit auch die restlichen demokratischen Parteien verboten, wenn sie sich nicht selber auflösten. Die ersten Konzentrationslager zur Inhaftierung politischer NS-Gegner, vor allem von Kommunisten und Sozialdemokraten, entstanden.

München, Judenverfolgung, Barfüßiger jüdischer Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel unter SS-Bewachung mit einem Schild (10 März 1933)
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München, Judenverfolgung, Barfüßiger jüdischer Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel unter SS-Bewachung mit einem Schild (10 März 1933)

In den folgenden Monaten wurden die bisherigen Länder gleichgeschaltet, ebenso die Presse und die Gewerkschaften. Im April begann der Boykott jüdischer Geschäfte und die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst. Im Juni/Juli wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammengeschlossen. Die „Deutschen Christen“ propagierten ein „judenreines“ Evangelium und waren „dem Führer ergeben“. Als Gegenbewegung bildete sich im September innerhalb der evangelischen Kirche der Pfarrernotbund, aus dem im Juni 1934 die Bekennende Kirche hervorging. In ihr sammelten sich evangelische Christen, die Übergriffe des Staates auf die evangelische Kirche und zum Teil den Nationalsozialismus als solchen ablehnten (unter anderem Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Gustav Heinemann). Mit dem Vatikan schloss Deutschland ein Konkordat, das die Stellung der katholischen Bischöfe in Deutschland sicherte und de facto zugleich eine Zurückhaltung der katholischen Kirche mit Kritik am Nationalsozialismus zusicherte (mit einer Reihe von Ausnahmen, z. B. Kardinal von Galen).

1934 wurde die Justiz gleichgeschaltet. Durch politische Morde nach dem angeblichen Röhm-Putsch - so wird der Vorgänger im Amt als Reichskanzler Kurt von Schleicher mit seiner Frau ermordet - erstickte Hitler auch jede mögliche Opposition auch innerhalb der NSDAP und entmachtete die SA zugunsten der Wehrmacht. Er ließ sich außerdem nach Hindenburgs Tod am 2. August zum „Führer“, Reichskanzler und obersten Befehlshaber ernennen. Die Reichswehr wurde nun auf ihn persönlich vereidigt. Auch die Berufsbeamten mussten einen „Führereid“ ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Ämter verloren.

Joseph Goebbels spricht (25 August 1934)
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Joseph Goebbels spricht (25 August 1934)

In der folgenden Zeit wurde das gesamte gesellschaftliche Leben von NS-Organisationen wie Hitler-Jugend, Deutsche Arbeitsfront und KdF durchdrungen. Maßnahmen wie der Autobahnausbau, die teilweise schon von Vorgängerregierungen vorbereitet oder begonnen worden waren, beseitigten die Arbeitslosigkeit. Die Kriegsvorbereitung, für die der Autobahnbau keine Rolle spielte, sicherte danach den wirtschaftlichen Aufschwung; zu einer wesentlichen Steigerung des Lebensstandards kam es aber wegen der Priorität der Aufrüstung nicht.

1935 wurde das Saarland nach einer Volksabstimmung wieder ins Deutsche Reich integriert. Auf dem Reichsparteitag wurden die Nürnberger Rassengesetze beschlossen, die die Ausgrenzung und Isolierung der Juden begründeten.

Polen, Ghetto Litzmannstadt, alter Mann (1940)
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Polen, Ghetto Litzmannstadt, alter Mann (1940)

1936 marschierte die Reichswehr in das entmilitarisierte Rheinland ein und brach damit den Versailler Vertrag. Im August fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt, die Hitler als Propagandabühne für die Weltöffentlichkeit nutzte. Ein Vierjahresplan von 1936 sollte Deutschland bis spätestens 1940 kriegsbereit machen. Das Regime unterstützte ab 1936 zusammen mit Mussolinis Italien auch militärisch den faschistischen General Franco im Spanischen Bürgerkrieg gegen die dortige Republik. Für Hitler bot der spanische Bürgerkrieg die Gelegenheit, die Einsatzfähigkeit seines Militärs im Kriegsfall zu testen.

1938 erwirkte Hitler den Anschluss Österreichs und im Münchner Abkommen den Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland. Daraufhin schloss Stalin mit Hitler den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. Am 9. November inszenierten die Nazis die Reichspogromnacht und legten in zahlreichen Synagogen Feuer. Als Zivilpersonen getarnte SA- und SS-Angehörige misshandelten und ermordeten viele Juden unter den Augen der Polizei, die meist stillhielt.

Paris, Eifelturm, Besuch Adolf Hitler (23 Juni 1940)
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Paris, Eifelturm, Besuch Adolf Hitler (23 Juni 1940)

Im März 1939 marschierten Hitlers Truppen auch in die so genannte Resttschechei und das Memelland ein. Ihr Überfall auf Polen am 1. September 1939 löste dann den Zweiten Weltkrieg aus. Am 3. September erklärten zunächst Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Nach dem Sieg der Wehrmacht und der Roten Armee über Polen wurde dessen Westteil zum deutschen Generalgouvernement erklärt, während die Sowjetunion den Ostteil des Landes besetzte. So teilten Hitler und Stalin Polen infolge ihres Paktes untereinander auf.

Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939 verübte der Einzelkämpfer Johann Georg Elser ein Bombenattentat auf Hitler während einer NS-Propagandaveranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller, das aber scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Explosion sofort nach seiner Rede den Saal verließ. Elser wurde wenig später gefasst, interniert und kurz vor Ende des Krieges im April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Wehrmacht-Konzert auf dem Place de la Concorde, Paris (10. Juli 1940)
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Wehrmacht-Konzert auf dem Place de la Concorde, Paris (10. Juli 1940)

Im „Blitzkrieg“ folgten schnelle deutsche Besetzungen von Dänemark, Norwegen, den Beneluxstaaten und Frankreich 1940. Hitlers Popularität in der deutschen Bevölkerungsmehrheit war auf ihrem Höhepunkt. Die geplante Invasion (Unternehmen Seelöwe)Großbritanniens misslang jedoch, weil die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz intensiver Bombardierung strategischer Ziele (Flugplätze, Radarstationen, Luftrüstungsindustrie) nicht die völlige Lufthoheit über Großbritannien erringen konnte und das Erringen dieser als die wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Invasion der britischen Inseln angesehen wurde.

Belgrad, Erfassung von Juden (April 1941)
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Belgrad, Erfassung von Juden (April 1941)

1940/41 eroberte die Wehrmacht mit Italien, Ungarn und Bulgarien gemeinsam Jugoslawien und Griechenland. Beide Länder wurden unter den verbündeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer Eroberung folgte ab 1943 jedoch ein zermürbender Partisanenkrieg. Mit zur Unterstützung Italiens entsandte Deutschland im Januar 1941 das Afrikakorps in die damalige italienische Kolonie Libyen.

Am 22. Juni überfiel Deutschland die Sowjetunion. In dem als Blitzkrieg geplanten „Unternehmen Barbarossa“ drang die Wehrmacht bis vor Moskau und Leningrad vor. Im Winter 1941/42 kam sie jedoch vor Moskau ins Stocken.

Am 11. Dezember 1941 erklärte Deutschland den USA, die Großbritannien und seit Juli 1941 die UdSSR mit Gütern versorgten, den Krieg.

Im Verlauf einer neuen Offensive im Osten im Sommer 1942 drang die Wehrmacht bis an den Don und in den Kaukasus vor. Die Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/1943 war einer der Wendepunkte des Krieges. Bis Ende 1943 hatte die Sowjetunion weite Gebiete zurückerobert. Am 13. Mai 1943 mussten die Achsenmächte (Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.

Sklavenarbeiter im KZ Buchenwald nahe Jena; viele waren an Unterernährung gestorben, als U.S. Truppen der 80th Division das Lager betraten (16. April 1945)
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Sklavenarbeiter im KZ Buchenwald nahe Jena; viele waren an Unterernährung gestorben, als U.S. Truppen der 80th Division das Lager betraten (16. April 1945)

Inzwischen war der Holocaust, der von langer Hand geplante beispiellose Völkermord an den Juden, im Gang. Schon seit September 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Nach ihrer Entrechtung, Enteignung, Ghettoisierung und Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten in den eroberten Ostgebieten beschlossen die führenden Nazis im Januar 1942 auf der Wannseekonferenz die „Endlösung der Judenfrage“. In extra dazu errichteten Vernichtungslagern („Aktion Reinhard“) im besetzten Osten Europas wie Auschwitz, Treblinka oder Majdanek wurde die Ermordung der Juden nun industriell betrieben. Bis zum Kriegsende wurden etwa 6 Millionen europäische Juden ermordet, von denen die Juden in Polen mit über 3 Millionen Opfern den größten Anteil stellten.

Warschau, drei Sinti und Roma-Frauen (September 1940)
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Warschau, drei Sinti und Roma-Frauen (September 1940)

Roma, Sinti und Jenische waren weitere Opfergruppen gezielten Völkermords. Massenmorde wurden auch an anderen, in der nationalsozialistischen Ideologie als „Untermenschen“ eingestuften Völkern, insbesondere den Polen und Russen begangen.

Schon vor dem Völkermord an den Juden in seiner industrialisierten Form nach der Wannseekonferenz hatten die Nationalsozialisten bei der sogenannten Aktion T4 im Rahmen ihres „Euthanasieprogramms“, der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ die Methode der „Vergasung“ von größeren Menschengruppen in den Jahren zwischen 1939 und 1941 getestet. Diesem „Programm“ waren etwa 100.000 geistig, psychisch und körperlich behinderte Menschen in mehreren deutschen Behindertenanstalten zum Opfer gefallen. Der mutige öffentliche Einsatz des katholischen Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen gegen die Ermordung der Behinderten hatte schließlich zur Einstellung des NS-Euthanasieprogramms geführt.

Dresden, Frauenkirche, zerstört am 14. Februar 1945
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Dresden, Frauenkirche, zerstört am 14. Februar 1945

Ab 1939 (Angriff auf Krefeld) begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche Städte, durch den etwa 760.000 Zivilisten ums Leben kamen. Ab Ende 1944 flohen viele Deutsche aus den Ostgebieten vor der anrückenden Roten Armee. 1944 konnte diese weite Teile von Südosteuropa erobern. Am 6. Juni begann die Invasion der westlichen Alliierten in der Normandie, nachdem sie schon zuvor nach der Landung auf Sizilien von Süden her Italien eroberten und gegen Deutschland im Vormarsch waren. Am 20. Juli scheiterte ein Attentat und ein Putschversuch von Wehrmachtsangehörigen und Mitgliedern der Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises gegen Hitler.

Auch in anderen Kreisen der Bevölkerung regte sich der Widerstand. Waren es in den Jahren 1933/1934 noch Aktivisten der verbotenen SPD und KPD, die mit Flugblättern Zeichen setzten, so opponierten jetzt Jugendliche und Studenten gegen die nationalsozialistische Führung und gegen den Krieg. Viele Jugendliche waren der Uniformierung überdrüssig und hoben sich durch betont englische Kleidung, lässiges Gehabe oder sowjetrussische Widerstandslieder von den „angepassten“ und „gleichgeschalteten“ Leuten ab. So entstanden beispielsweise „Die Schlurfs“, die „Proletenmeute“, die „Kittelbachpiraten Gladbeck“ und die bekannte Gruppe der „Edelweißpiraten“, die mit den üblichen rigorosen Maßnahmen bekämpft wurden. In mehreren Städten gab es Jugendkonzentrationslager.

Ende 1944 und Anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung Deutschland nach dem Krieg. Nach Beginn ihrer Winteroffensive am 12. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Ostpreußen, Pommern und Schlesien und holte vielfach die fliehende Zivilbevölkerung ein. Im April erreichten die sowjetischen Truppen die Reichshauptstadt und es kam zur Schlacht um Berlin. Hitler tötete sich am 30. April im Bunker der Reichskanzlei, nachdem er testamentarisch Admiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmt hatte. Neben Hitler töteten sich in der Folge auch andere führende Funktionäre, so Joseph Goebbels, Heinrich Himmler. Am 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete Generaloberst Jodl – von Dönitz hierzu autorisiert – die bedingungslose Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht, die, durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde ratifiziert, am Tag darauf in Kraft trat.

Der Zweite Weltkrieg, den Deutschland in Europa entfesselt hatte, dauerte in Südostasien, wo der Krieg schon 1937 vom mit Deutschland im Antikomintern-Pakt verbündeten Japan ausgelöst worden war, noch bis zum 12. August 1945 an. Er forderte insgesamt etwa 60 Millionen Tote.

In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen v.a. im Rahmen der Westexpansion Polens aus Ost- und Ostmitteleuropa vertrieben, insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen. Infolge der Vertreibungen wurden ca. 2,1 Millionen Deutsche in den Tod getrieben und Tausende ermordet.

Textquelle: Artikel Geschichte Deutschlands. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Mai 2007, 15:00 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 23. Mai 2007, 20:54 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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