Bundesrepublik Deutschland (1949–1990) (Geschichte)

Bundesrepublik Deutschland (1949–1990)

Portrait

Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag statt, die CDU/CSU wurde stärkste Fraktion. Konrad Adenauer wurde Mitte September zum Bundeskanzler, Theodor Heuss zum Bundespräsidenten gewählt. Im November wurde das Petersberger Abkommen geschlossen. Am 16. Januar 1950 wurde die Lebensmittelrationierung abgeschafft.

Andere Erblasten aus der Zeit des Nationalsozialismus erwiesen sich als bedeutend langwieriger (siehe Vergangenheitsbewältigung)

Die Regierung Adenauers forcierte die Westintegration, die Wiederbewaffnung und schuf, begünstigt durch den Marshall-Plan der USA, die politischen Rahmenbedingungen für das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik. Sie erhob den Alleinvertretungsanspruch für Deutschland, und brach die Beziehungen mit Ländern ab, die die DDR anerkannten (vgl. Hallstein-Doktrin). Trotzdem unterzeichnete sie 1955 einen Vertrag mit der Sowjetunion, damit die letzten deutschen Kriegsgefangenen heimkehren konnten. Ebenfalls 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft. Die BRD trat der NATO bei und die Bundeswehr wurde gegen den Widerstand einer aufkeimenden Friedensbewegung, der „Ohne Mich-Bewegung“, gegründet.

Die Bundesrepublik war 1952 Mitbegründerin der Montanunion, der Vorläuferin der EG. 1951 wurden der rechtsextremistischen SRP und 1956 der kommunistischen KPD, die als kleine Fraktion noch bis 1953 im Bundestag vertreten gewesen war, vom Bundesverfassungsgericht Parteiverbote ausgesprochen.

1957 wurde das Saarland wieder Teil der Bundesrepublik. Im März begründeten die Römischen Verträge die EWG. Im November 1959 wandte sich die SPD mit dem Godesberger Programm endgültig vom Marxismus ab. 1959 wurde Heinrich Lübke Nachfolger von Theodor Heuss als Bundespräsident.

Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen Hunderttausende Flüchtlinge aus der DDR in den Westen Deutschlands. Im Zuge des Aufbaus und der Vollbeschäftigung während des so genannten Wirtschaftswunders wurden zunehmend Gastarbeiter, vor allem aus Südeuropa, angeworben.

Im Oktober 1962 musste infolge der Spiegel-Affäre Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zurücktreten. Im Januar 1963 wurde der Elysée-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet, mit dem eine grundlegende Aussöhnungspolitik mit dem ehemals als historischem „Erzfeind“ Deutschlands bezeichneten Staat wurde. Am 15. Oktober trat Adenauer als Bundeskanzler zurück.

Nachfolger wurde der so genannte Vater des Wirtschaftswunders Ludwig Erhard. Er trat bereits Ende 1966 zurück. Nun bildete Kurt Georg Kiesinger eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD Willy Brandt als Außenminister und Vizekanzler. Diese wurde nur als Überganglösung verstanden, jedoch erzielten sie Erfolge in der Wirtschafts-und Innenpolitik.

1968 wurden die Notstandsgesetze beschlossen. Die unzureichende Verarbeitung der NS-Vergangenheit, der Bildungsnotstand, der Protest gegen den Vietnamkrieg, die Hippiebewegung und die als veraltet empfundene Gesellschaftsordnung hatten den Widerstand der studentischen Jugend mit sich gebracht. Durch deren Einfluss veränderten sich darauf Alltagskultur und politisches Leben inm Westen Deutschlands erheblich.

Im März 1969 wurde Gustav Heinemann Bundespräsident. Im September kam es nach der Bundestagswahl zu einem Machtwechsel. SPD und FDP bildeten die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt. Diese Regierung betrieb eine neue Ostpolitik der Annäherung an die Ostblockstaaten, die beim Kniefall von Warschau am 7. Dezember 1970, einen international beachteten symbolischen Ausdruck fand. Brandts Ostpolitik wurde vor allem innenpolitisch anfangs heftig kritisiert, so dass die CDU 1972 sogar ein konstruktives Misstrauensvotum versuchte, nachdem Abgeordnete aus SPD und FDP zur CDU/CSU überwechselten und die Koalition die Mehrheit im Bundestag verlor.

Die Innenpolitik prägten die Liberalisierung des Rechtssystems, der Ausbau des sozialen Netzes und Reformen des Bildungswesens. Im Herbst 1973 wurde auch die Bundesrepublik Deutschland von der Ölkrise getroffen, das Wirtschaftswunder war endgültig vorbei. Am 6. Mai 1974 tat Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre zurück.

Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler, Walter Scheel Bundespräsident. Die Ostpolitik wurde fortgesetzt, schließlich kam es 1975 durch die KSZE zu einem Fortschreiten der Entspannungspolitik.

Innenpolitisch musste sich der Staat mit dem Problem des Linksterrorismus der RAF auseinandersetzen. Dieser erreichte im Deutschen Herbst 1977 mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer seinen Höhepunkt. Aber auch die wachsende Umwelt- und Friedensbewegung waren Schwerpunkte dieser Zeit (vgl. auch Neue soziale Bewegungen). 1979 wurde Karl Carstens Bundespräsident.

Aufgrund wachsender Spannungen kam es im September 1982 zum Bruch der SPD/FDP-Koalition. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum Bundeskanzler. Die neue CDU/CSU-FDP-Regierung wurde durch die Bundestagswahlen 1983 bestätigt. Die Grünen zogen bei dieser Wahl als Vertreter der „Neuen sozialen Bewegungen“ erstmals in den Bundestag ein und erlangten parlamentarisches Gewicht, nachdem deren Anhänger als außerparlametarische Opposition viele Jahre lang in unterschiedlichen Zusammenhängen aktiv gewesen waren (vgl. Frauenbewegung, Neue Linke, Atomkraftgegner, K-Gruppen, Friedensbewegung u. a.).

1984 wurde Richard von Weizsäcker Bundespräsident. Anfang 1984 startete das Privatfernsehen in Deutschland, ebenfalls 1984 kam es zur Flick-Affäre und der Frage, ob die Republik käuflich sei. 1986 erschütterte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Europa. Im selben Jahr wurde die Einheitliche Europäische Akte unterzeichnet, die eine erste größere Reform der EG mit sich brachte und ein wichtiger Schritt zur Europäischen Union war. Im September 1987 besuchte mit Erich Honecker erstmals ein DDR-Staats- und Parteichef die Bundesrepublik.

Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Zustimmung der Siegermächte und beider deutscher Parlamente kam es am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Textquelle: Artikel Geschichte Deutschlands. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Mai 2007, 15:00 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 23. Mai 2007, 20:54 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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