Die Brücke

Die Brücke

Die Brücke in Berlin

Nachdem Pechstein bereits seit 1908 in Berlin lebte, folgten die anderen Mitglieder Ende des Jahres 1911 seinem Ruf und siedelten ebenfalls in die Hauptstadt über. Heckel übernahm das Atelier von Mueller in Steglitz. Kirchner zog nach Wilmersdorf, wo auch Pechstein arbeitete und gründete mit diesem die Malschule MUIM-Institut (Moderner Unterricht im Malen), die jedoch wenig später wegen Schülermangels wieder schließen musste.

In Berlin erhofften sich die Brücke-Maler einen besseren Kontakt zu Sammlern und Händlern sowie ein aufgeschlossenes Publikum. Doch das Leben war hart und die Künstler hatten mit schwerer finanzieller Not zu kämpfen. Sie nahmen Kontakt zu den Verlegern Herwarth Walden und Franz Pfemfert auf und veröffentlichten ihre Arbeiten in deren Zeitschriften Der Sturm und Die Aktion.

Das Leben in der Großstadt beeinflusste die Künstler nachhaltig. Hier kamen sie erstmals mit den Werken des Kubismus und des Futurismus in Berührung, deren Stilelemente in ihre eigenen Bilder einflossen. Auch wenn die Brücke-Mitglieder nach wie vor zusammenarbeiteten, löste sich der Gruppenstil langsam auf und mehrere Individualstile nahmen seinen Platz ein. Im Sommer 1911 beteiligte sich die Brücke an der bedeutenden Sonderbundausstellung in Köln. 1912 stellten die Künstler in der Galerie Goltz in München gemeinsam mit dem Blauen Reiter aus, der dort ein Jahr zuvor gegründet worden war.

Kurz darauf wurde Pechstein als Verräter aus der Brücke ausgeschlossen, da er ohne Erlaubnis der anderen in der Berliner Secession ausgestellt hatte. Kirchner sprach später von einem Vertrauensbruch.  Die bereits fertig gestellte Jahresmappe über Pechstein wurde daraufhin nicht mehr veröffentlicht und die Gruppe trat geschlossen aus der Neuen Secession aus.

Im Jahresbericht 1912 kündigte Kirchner an, dass noch im Frühjahr eine Chronik von Brücke erscheinen werde. Diese von Kirchner verfasste Schrift entstand zwar im Einvernehmen mit den anderen Gruppenmitgliedern, doch der Text war ihnen zu einseitig und wurde abgelehnt. Kirchner stellte sich in der Chronik selbst als wahres Genie der Gruppe dar und hob seinen Einfluss hervor. Er schrieb außerdem unter einem Pseudonym Kritiken über die Werke der Brücke-Maler, in denen er die anderen Mitglieder beschuldigte, von ihm abgeschaut zu haben. Um seinen Führungsanspruch zu untermauern, datierte er sogar einige seiner Bilder vor.

Heckel sagte später über die Chronik: „Der Text hat uns vor den Kopf gestoßen.“  Kirchner empfand die Ablehnung durch seine Kameraden wiederum als Undankbarkeit  und zog sich in der Folgezeit immer mehr zurück. Im Mai 1913 beschlossen daraufhin die übrigen Mitglieder die Auflösung der Gruppe. In einem Brief, der von Kirchner nicht mehr unterzeichnet wurde, setzten Heckel und Schmidt-Rottluff die Passivmitglieder davon in Kenntnis.

Die Chronik, die letztlich zum Ende der Gemeinschaft geführt hatte, wurde von Kirchner einige Jahre später doch noch veröffentlicht. Später distanzierte er sich von der Brücke und wollte nicht mehr in Zusammenhang mit dieser genannt werden.

Merkmale

Anders als der französische Fauvismus, mit dem sie viele Einflüsse von außen teilten, betonten die Brücke-Maler nicht nur die malerische Form und die Bildkomposition, sondern insbesondere die seelisch-psychischen Momente und die damit verbundene Erkenntnis oder Vermutung über den Kern der Dinge. Dabei wandten sie sich vom Menschenbild des 19. Jahrhunderts ab und malten auch Tabu-Themen, denn sie wollten ihre Mitmenschen aufrütteln und beunruhigen.

Daraus resultieren einige wesentliche Merkmale wie die intensive und kontrastreiche Benutzung von Farbe, die Veränderung der Form durch bewusste Vergröberung und Verzicht auf Details, der „holzschnittartige“ Charakter der Malerei, kantige Formen und eine kühne Raumgestaltung.

Häufige Techniken umfassen den Holzschnitt, die Lithografie und das Aquarell. Die Farbe wurde teilweise sehr pastos aufgetragen, manchmal aber auch mit Benzin verdünnt, um ein schnelleres Arbeiten zu ermöglichen.

Zu den bevorzugten Motiven der Brücke-Maler zählten der Mensch in Bewegung, Zirkus und Varieté, die Nacht, das Hintergründige, Mensch und Natur, Tanz, Leben in der Großstadt, Akte und Badende.

Textquelle: Seite „Brücke (Künstlergruppe)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. März 2010, 21:02 UTC. URL: http://de.wikipedia.org...(K%C3%BCnstlergruppe)&oldid=71974705 (Abgerufen: 30. März 2010, 15:49 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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