Jugendstil

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Jugendstil

Portrait

Der Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Weitere Bezeichnungen sind art nouveau, Modern Style, Modernisme, Stile Liberty, Reformstil oder Wiener Secession; in Russland Stil Modern und in Frankreich wurde auch der Begriff Fin de siècle verwendet.

Herkunft des Begriffs

Jugend (Zeitschrift): Ausgabe 7, 1906
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Jugend (Zeitschrift): Ausgabe 7, 1906

Der Begriff ist nur im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, den Nordischen Ländern und in Lettland in Gebrauch, so benannt nach der 1896 gegründeten Münchner illustrierten Kulturzeitschrift Die Jugend. Dabei ist dieser Begriff in seinem heutigen relativ wertfreien Sinne durch die spätere kunstgeschichtliche Rezeptionsliteratur geprägt worden. Beim Aufkommen des Begriffs um 1901 wird der Jugend- und Secessionsstil in den einschlägigen Zeitschriften ("Dekorative Kunst", Autoren: Hermann Muthesius, Julius Meier-Graefe) als kritisches Etikett für die modische Popularisierung und die dabei als karikierend empfundene Nachahmung der neuen Formen in den (Einzel-)Werken von Künstlern wie etwa Henry van de Velde durch die Industrie mit ihrer ("billigen") kunstgewerblichen Massenproduktion verwendet.

Kennzeichen und Programmatik

Äußerlich kennzeichnende Teile oder Elemente des Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien sowie flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien.

Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine so geschlossene Bewegung war, wie die Bezeichnung 'Jugendstil' heute bei uns den Anschein erwecken mag. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich 'einig' waren, also der Ablehnung der bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Henry van de Velde: Stuhl entworfen für das Speisezimmer von Schloss Lauterbach in Neukirchen/Pleiße
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Stuhl: entworfen von Henry van de Velde (1907-1909).

Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa dem Palais Stoclet in Brüssel, in der alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung im einheitlichen Sinne durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von „Kunst und Leben“ verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein ganz besonderes Gewicht zukam. In diesem Punkt knüpfte der Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das „Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Zugleich war dies der programmatische Gegenentwurf zur Abgehobenheit und Abgesondertheit auratischer Kunstwerke in der reinen Sphäre der so genannten „hohen“ oder „Bildenden Kunst“.

Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität und Ausdruck der Funktion in der Erscheinung der Dinge, dass also die Funktionen eines Gebäudes auch dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollte. So beispielsweise sollten die Fassaden nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein müssen, sondern einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen dürfen. Insgesamt gehört die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eine der zentralen Fragen des Jugendstils war in gewisser Weiterführung der Stildebatten des 19. Jahrhunderts die Frage nach dem so genannten „modernen“ Stil, dem „Stil unserer eigenen Zeit“.

Entstehung

Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Diese Stilrichtung dauerte ca. 20 Jahre. Er kann als eine Antwort auf verschiedene vorausgehende Zeitströmungen des 19. Jahrhunderts verstanden werden:

  • Die industrielle Revolution und damit das Aufkommen von, mit Verzierungen überladener, maschinell hergestellter Massenware im viktorianischen England.
  • Den Historismus im Frankreich der so genannten Belle Epoque, der in Verbindung mit den Bedürfnissen des gehobenen Bürgertums in "Extravaganz" ausuferte. In etwas vereinfachter Form dominierte der Historismus auch in Süddeutschland. In Österreich war der Historismus im letzten Jahrhundertdrittel hegemonial, in diesem Stil wurde die Ringstraße erbaut. Schon von den Zeitgenossen als emblematisch empfunden wurde der zugehörige Malstil, vor allem Hans Makarts, mit seinen neobarocken Allegorien.
  • In München dominierte ebenfalls die großbürgerlich bestimmte Malkunst, charakterisiert und beherrscht durch den Lenbachkreis um den Maler Franz von Lenbach.
Textquelle: Seite „Jugendstil“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Juni 2009, 09:25 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 7. Juli 2009, 12:04 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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