Konstruktivismus

Konstruktivismus

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Konstruktivismus

Portrait

Der Konstruktivismus baut als streng gegenstandslose Stilrichtung der Malerei der Moderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Suprematismus russischer Maler wie Kasimir Malewitsch (1878–1935) auf.

Der konzeptionelle Ansatz bestand darin, die bisherige, historisch gewachsene Formen- und Bildersprache der Malerei aber auch der Kultur als Ganzes, beiseite zu legen und noch einmal von vorne anzufangen, malerisch etwa bei den grundlegenden geometrischen Formen und gleichmäßigen Farbflächen.

Die Richtung hatte zeitweise den Charakter einer politischen Bewegung und wurde in Russland entwickelt; der niederländische De Stijl wird ebenfalls in diesem Zusammenhang genannt.

Der Begriff Konstruktivismus verweist auf das lateinische Wort constructio: "Zusammenfügung", "Bau".

Eigenschaften

Charakteristisch ist ein einfaches geometrisches Formenvokabular, wie auf dem berühmten Bild Schwarzes Quadrat auf weißem Grund von Malewitsch. Die neue Kunstrichtung, der in den theoretischen Manifestationen auch ein gesellschaftliches Moment innewohnte, hatte auch Einfluss auf die zeitgenössische Plastik und Architektur.

Obwohl der Versuch, Kunstobjekte mittels mathematisch fundierter Konstruktionen zu erstellen, nicht neu ist (vgl. Goldener Schnitt), wird der Terminus Konstruktivismus im Allgemeinen nur für moderne Kunst gebraucht, zumeist in Verbindung mit geometrischen Abstraktionen und technoiden Gestaltungsformen. Der Konstruktivismus ist eine Ausdrucksform der abstrakten Kunst, parallel zum Dadaismus in den 1920er Jahren. Die Anhänger des Konstruktivismus vertraten ein geometrisch-technisches Gestaltungsprinzip mit meist großen Farbflächen und geometrischen Grundformen.

Entwicklung

Die Architektur galt dem Konstruktivismus gleichsam als "Mutter aller Künste". Der Name Konstruktivismus soll 1913 erstmals für abstrakte Reliefkonstruktionen Wladimir Tatlins sowie für Werke des russischen Malers Kasimir Malewitsch verwendet worden sein, der im so genannten programmatischen Nullpunkt auf ein weißes Quadrat ein schwarzes "vollkommenes" Viereck malte und umgekehrt; siehe Suprematismus. Die Künstler des Konstruktivismus bezeichneten sich selbst als "Bildner" und lehnten naturalistische "Nachbildungen" kategorisch ab.

Der russische Konstruktivismus weist nach dem Umsturz von 1917 aufgrund der revolutionären politischen Situation oft propagandistische Züge auf. So baute man 1920 in Petrograd nach den Entwürfen Tatlins ein 30 m hohes Holzobjekt als Modell für einen geplanten, aber nie realisierten 400 m hohen Stahlgerüst-Pavillon, der ein Monument der III. Kommunistischen Internationale werden sollte. Es war vorgesehen, die einzelnen Teile wie die beweglichen Sphären eines Planetariums zu konstruieren.

In einem 1920 von Tatlin und den Brüdern Pevsner mit staatlicher Unterstützung veröffentlichten Manifest wurden der konstruktive Realismus und die Kinematik als Gestaltungsprinzipien hervorgehoben. Da, wie Lenin meinte, die Kunst nur dann politisch verwertbar sei, wenn sie auch von der Allgemeinheit verstanden und akzeptiert werde, erfolgte kurz danach in Russland jedoch die Ablösung des Konstruktivismus durch den Sozialistischen Realismus.

Verbindungen

Abgesehen von seinem russischen Ursprung, wurde der Konstruktivismus auch von den Künstlervereinigungen De Stijl, Bauhaus und von der konkreten Kunst beeinflusst. Die auf der russischen Ausgangsbasis aufbauende Strömung wird "analytischer Konstruktivismus" genannt.

Wie Malewitsch malten z. B. auch Josef Albers, Lyonel Feininger und Victor Vasarely streng geometrische Formen. Auch Max Bill, Richard Paul Lohse und Barnett Newman vertraten das konstruktive Prinzip. Oskar Schlemmer wurde für seinen figuralen Konstruktivismus bekannt. Die der englischen Gruppe "Unit one" angehörenden Maler sympathisierten mit dem Konstruktivismus, bevorzugten aber weniger gebundene Formen.

Der Konstruktivismus war eine der frühen Strömungen moderner Kunst, mit der sich eine große Anzahl Bildender Künstler auseinandersetzte.

Künstler des Konstruktivismus

* Naum Gabo
* El Lissitzky
* Kasimir Malewitsch
* Konstantin Stepanowitsch Melnikow
* Wladimir Grigorjewitsch Schuchow
* Laszlo Moholy-Nagy
* László Péri
* Antoine Pevsner
* Ljubow Popowa
* Alexander Rodtschenko
* Wladimir Tatlin
* Friedrich Vordemberge-Gildewart
* Rudolf Jahns
* Inge Thiess-Böttner (später)

Bedeutende Sammlungen konstr. Kunst

* Sammlung George Costakis SMCA-Museum, Thessaloniki
* Staatl. Tretjakow-Galerie, Moskau
* Museum of Modern Art, New York

Textquelle: Artikel Konstruktivismus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Januar 2007, 11:08 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. Februar 2007, 15:55 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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