Romantik

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Romantik bezeichnet eine kulturgeschichtliche Epoche, die sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst (1790–1840), der Literatur (1795–1848) sowie der Musik (1800–1940) äußert.

Im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen, z. B. in „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“. Oft wird der Begriff synonym zu Kitsch gebraucht. Das hat jedoch mit der kulturgeschichtlichen Epoche nichts gemein.

Hintergrund

Der Romantiker geht aus von einem Bruch, der die Welt gespalten habe in die Welt der Vernunft, der „Zahlen und Figuren“ (Novalis), und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine Sehnsucht nach der Heilung der Welt, nach der Zusammenführung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Hinführende Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und Märchen, die Natur etc. Ein zentrales Symbol für diese Sehnsucht oder deren Ziel ist die Blaue Blume. Die Sehnsucht richtet sich auf etwas Unbestimmtes oder Unerreichbares. Aus diesem Grunde wird sie nie befriedigt und kann um ihrer selbst willen dauerhaft genossen und ausgelebt werden.

Im Gegensatz zu der Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik und Aufklärung/Sturm und Drang, nämlich der Erziehung des Volkes durch die Literatur, sahen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht, mystisch überhöht im Begriff des „Dichterpriesters“. Eine Möglichkeit dazu bietet die Kunst, denn „die Welt hebt an zu singen/Triffst Du nur das Zauberwort“ (Eichendorff).

Die Romantiker suchten die verloren gegangene Welt in den Werken aus der „Kindheit der Menschen“, also in den Märchen und Sagen, in den Volksliedern, im Mystizismus des Mittelalters. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern in dem als natürlich und wahrhaftig angesehenen Verhalten des einfachen Volkes. Volkstänze flossen z. B. in die romantische Musik ein (z. B. Franz Schubert). Die Brüder Grimm sammelten die Sagen und Märchen der mündlichen Volksüberlieferung.

Allerdings birgt die „andere Welt“ auch Gefahren. Diese Nachtseite der Romantik, geprägt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich z. B. besonders ausgeprägt bei E. T. A. Hoffmann.

Die Romantik ist auch als Gegenströmung zur Aufklärung (Vernunft) zu begreifen und daher im politischen Raum noch heute ein aktueller Begriff.

Zur massenhaften Verbreitung kam es etwa zu Zeiten der Napoleonischen Kriege. Nach der Ära relativer Ruhe Ende des 18. Jahrhunderts, in der eine Reihe von Auseinandersetzungen auf diplomatischem Weg geregelt wurden. Erst als der europäische Kontinent mit Feldzügen Napoleons überzogen wurden und Helden plötzlich gesucht waren (in Frankreich war es Napoleon, in England Admiral Nelson, in Russland General Kutuzov usw.), entfachten diese Wünsche die Phantasie der Künstler und deren Veröffentlichungen. Ein zweiter wichtiger Faktor war die höhere Bildung der Bürger (auch durch die Reformation der Schule durch Maria Theresia), deren Wunsch nach Bildung oder nach Literatur, sowie der wirtschaftliche Aufschwung und das damit verbundene höhere Volksvermögen ermöglichten es den Bürgern Bücher, Musikinstrumente oder Theater- und Konzertkarten zu kaufen.

Als Reaktion auf diese Emanzipation verschloss sich die Aristokratie gegenüber den neuen gesellschaftlichen Einflüssen und Formen. So findet man im 19. Jahrhundert kaum einen adeligen Schriftsteller oder Philosophen, eine Domäne der Aristokraten im 18. Jahrhundert.

Eine neue Sicht auf die Romantik ermöglichte Arno Schmidt; konzentriert programmatisch zu lesen etwa in seinem Dialog über Ludwig Tieck: ‹FUNFZEHN›. Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit (1959). (In: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe II, Band 2, S. 285–333. Zürich: Haffmans 1990)

Geschichtlicher Hintergrund

In der Organisation der Gesellschaft fanden durch die Industrialisierung große Umbrüche statt, die neue Maschinenwelt führte zu Verstädterung und Landflucht, ein vormaliges Idyll war für die Romantiker dabei zu verschwinden.

Die gescheiterte Revolution in Deutschland, nach dem Vorbild der Französischen Revolution, bei der das absolutistische System, die Ständegesellschaft sowie die Macht der Kirche bestehen blieben, zeigte, dass der Wandel des „Systems“ nicht mehr in oder mit der Gesellschaft stattfinden konnte.

Dies sahen die Romantiker mit ihrer individualistischen Grundeinstellung als einen Grund, um in ihrer Dichtung in Melancholie, in fantastische, unwirkliche, idyllische Welten zu fliehen und sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurückzuziehen (Flucht aus der Wirklichkeit).

Romantismus ist auf zwei seinerzeit populäre künstlerische Richtungen zurückzuführen, die auf die Nachfrage des Publikums reagierten. Es war der englische gotische Roman in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Engländer lasen seinerzeit leidenschaftlich gerne Bücher über das Mittelalter und Mystik, sowie der deutschen Sturm-und-Drang-Bewegung, welche Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Literaten und Lesern beeinflusste. Während der gotische Roman oberflächlich geschrieben war, waren die Werke der Sturm-und-Drang-Bewegung, vertreten durch Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller auf einem hohen literarischen Niveau. Die gotischen Romane sprachen die Phantasie an (Motive waren oft Geister, Ritter, Verwunschene und halbzerfallene Burgen). Sturm und Drang versuchte die Gefühle der Leser anzusprechen. So diente der Held Goethes in Die Leiden des jungen Werthers vielen Jugendlichen am Ende des 18. Jahrhunderts als Vorbild, die sich entsprechend kleideten oder eben auch Selbstmord verübten.

Textquelle: Artikel Romantik. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Januar 2007, 15:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org... (Abgerufen: 1. Februar 2007, 15:40 UTC) Lizenz: CC-by-SA-3.0
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